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Sonntag, 18. Juli 2021

Igelgeschichten - Teil 2

Gestern erlebte ich in meinem Garten eine außergewöhnliche Begegnung. Und heute war die Igelfamilie wieder da, direkt neben meiner Terrasse.
Diese abenteuerliche Bekanntschaft hat mich zum Nachdenken gebracht. Zuerst habe ich ganz klar realisiert:
- Ich besitze zwar diesen Garten, aber ich teile ihn mit allen anderen tierischen Naturgeschöpfen, so wie Eichhörnchen, Vögel, Igel, Mäuse, Schnecken, Eidechsen, Fröschen und unzähligen Insekten. Alle haben das Recht hier zu leben, ich darf keinen verbannen. Wir sind eine Gemeinschaft und nur so funktioniert das. Nur so bleibt die Natur im Gleichgewicht.

Und weil ich dieses Stück Erde auch mit Igel teile, möchte ich auch für deren Wohl sorgen. Also muss ich in gewissen Punkten umdenken. 

Kein Schneckenkorn mehr in meinem Garten! Ich möchte meine Mitbewohner nicht vergiften. Im Gegenteil, sie fressen Schnecken gern und werden sie schon im Schach halten. D.h. weniger Last für die Pflanzen und mehr Futter für Igel.

Was brauchen Igel, um glücklich zu sein?
Igel brauchen Versteckplätze, wo sie in Ruhe schlafen können und natürlich genug Futter. Eigentlich sind sie nachtaktiv, aber wie ich das erlebt habe, zeigen sie sich auch tagsüber. Ich bin durch den Garten gegangen und schaute nach, ob ich genug Platz für meine Mitbewohner habe.
Also als Verstecke eignen sich verwilderte Stellen 
oder abgelegene Plätze im Schatten 
oder auch Wiesen mit wilden Pflanzen, die viele Insekten anlocken als Nahrung für den Igel.
Eine Wasserstelle ist natürlich auch von Vorteil.
Gärten mit Schlupflöcher oder Maschenzaun öffnen den Zugang für neugierige Igel. So können sie sich frei bewegen und vergrößern das Jagdrevier. 
 
Und noch ganz wichtig:
Kleine Igel sehen total süß aus, aber ich würde nie auf die Idee kommen, sie anzufassen! Auch mit Beobachten ist Vorsicht geboten. Als ich meine Bilder machte, versuchte ich so leise wie möglich zu sein und war sehr froh, dass sie sich nicht gestört fühlten. 
 
Jetzt denke ich darüber nach, mehr Bodendecker zu pflanzen. Das tut dem Boden gut und die Igel fühlen sich willkommen!

Samstag, 17. Juli 2021

Igelgeschichten - Teil 1

Das ist eine tolle Geschichte aus meinem Garten! Vor einem Monat war ich abends zufällig am Fenster und sah etwas Seltsames auf dem Rasen. Katze? Nein. Eichhörnchen? Nein. IGEL! Ich habe noch nie einen lebenden Igel gesehen! Ist es nicht komisch... Tote auf den Straßen ja, aber lebend - noch nie!
Zu meiner Freude war der Igel jeden Abend da, aber irgendwann mal kam er nicht mehr. Das fühlte sich traurig an...
 
Nach ein paar Wochen erzählte mir die Nachbarin von nebenan, sie hatte einen Igel mit zwei Babys in ihrem Garten entdeckt. Wie schön, deshalb verschwand der Igel!

Und heute wollte ich eine Ringelblume neben der Terrasse wegsetzen und war total erschrocken als ich hinter der Pflanze etwas Stacheliges sah. Mein Gehirn arbeitete in Hochtouren und in Sekundenschnelle reihten sich die Infos in meinem Kopf zusammen: Das muss doch eins von den Igelbabys sein.
 
Aaaa, Hilfe, ein totes Igelchen! Ich dachte ernsthaft, es sei tod, weil es so unter dem Zaun eingequetscht war. Nachdem ich mich beruhigt habe, sah ich, dass es noch atmet. Also lebte der kleine Igel noch. Plötzlich hörte ich Geräusche im Gebüsch hinter dem Zaun im Garten der Nachbarin. Da war die Igel-Mutter! Sie guckte mich ganz gelassen an. Das hat mich irgendwie beruhigt und auf einmal bewegte sich die kleine stachelige Kugel vor meiner Nase und "rannte" weg. Mit wackeligen Schritten schlüpfte der Kleine durch die Zaunmaschen und kam zu seiner Mama.
Da war ich aber erleichtert, dass der Kleine so putzmunter war! Dann machte ich meine Arbeit im Garten weiter. Als ich gemütlich auf der Terrasse saß und mir eine Pause im Schatten gönnte, hörte ich leise Geräusche hinter meinem Rücken. Ich staunte nicht schlecht - die ganze Igelsippe war beisammen! Die Mutter ignorierte mich vollkommen und saß gemütlich im Schatten. Das eine Igelbaby, der kleine Draufgänger, erforschte weiter die Gegend und das andere, wohl die Schlafmütze, schlief total süß zu einer Kugel gerollt.
Das zu erleben ist für mich eine außergewöhnliche Erfahrung! Einen Igel so nah zu beobachten, ist eine Glückssache. Und Igel gehören eigentlich zu unserer Heimat, das sind keine exotischen Tiere, die man im Zoo sehen kann.
 
Was wissen wir über die Natur, die uns umgibt? 
Was wissen wir über den Igel???

Donnerstag, 22. April 2021

Entengeschichten

Seit drei Tagen habe ich in meinem Garten ein Enten-Pärchen. Die Enten glauben ein Paradies auf Erden gefunden zu haben und ich mache mir Sorgen. Sie können hier kein Nachwuchs großziehen. Im Teich sind Fische und wegen Fischreiher, der sich schon mehrmals bedient hat, ist ein Netz übers Wasser aufgespannt. Leider verstehen die Enten nicht, dass sie dort nicht schwimmen können und haben schon das Netz teilweise kaputtgemacht. Ok, das kann ich neu kaufen, aber wenn ich an die kleinen Entenbabys denke, die ins Wasser kommen, graut es mir jetzt schon...
Wenn es bei uns im Ort nichts an Wasser gäbe, könnte ich diese Situation noch nachvollziehen. Aber wir sind vom Wasser umgeben!!! Wir haben mehrere Parkanlagen in der Nähe mit kleinen Seen, Teichen und auch die Niers, deren Ufer viele schöne Nistplätze bietet. Auch unmittelbar im Vogelschutzgebiet gibt es Auen, wo der Fischreiher sein Nachwuchs bekommen kann, auch der Eisvogel usw. 
 
Das Problem ist ganz einfach - zu viele Wasservögel und sie können ihre Reviere nicht teilen. Ein Beispiel, am Badhotel-Weiher sind zwei Arten von Blässhühner, drei Arten von Enten und zwei Arten von Gänsen vertreten. Und jede Art hat natürlich mehrere Vögel. Seit ein paar Jahren sind Nilgänse dazu gekommen und sie vermehren sich rasant. Das nächste Problem, diese Vögel haben absolut keine Angst vor Menschen, weil sie ewig mit Brotresten gefüttert werden, was als Futter ungeeignet ist.
Normalerweise regelt die Natur alles selbst. Und wenn der Mensch sich nicht ständig einmischen würde, wäre es nicht aus dem Gleichgewicht geraten. Damit meine ich nicht das Futter, sondern die Stadtökologie und auch unsere eigene Gedankenlosigkeit.
 

Sonntag, 3. Januar 2021

Bienenweide im Hochbeet - Rückblick

Auch jetzt noch lebt mein Hochbeet...
Ich bekam im Frühjahr ein Samentütchen Bienenweide Apis Vitalis von DRK ohne Angaben zu den Pflanzen. In meinem Garten hatte ich eigentlich keinen Platz dafür, aber nach einer Überlegung habe ich mich einfach für das Hochbeet entschieden, weil es frei war. Bevor ich die Samen ausgestreut habe, konnte ich 10 verschiedene Sorten feststellen. Das war sehr spannend für mich, die blühenden Schönheiten zu beobachten - besser als jedes Fernsehprogramm!
 
Diese Weidenblumen haben mich durch das Jahr begleitet und schön beschäftigt. Es war aufregend und auch weiterbildend herauszufinden, was das für Pflanzen sind. Ok, die Sonnenblumen habe ich direkt aussortiert, die passten nun wirklich nicht in mein Hochbeet. All die anderen Sorten ließ ich einfach wild wachsen.

1. Die interessanteste Pflanze für mich war Acker-Rettich (Raphanus raphanistrum)
Essbare Pflanze mit tollem Geschmack! Dank der Schärfe, die an Senf oder Kresse erinnert, ist sie sehr gut für verschiedene Gerichte geeignet. Besonders die zarten Fruchtschotten schmecken vorzüglich. In den Blättern ist viel Vitamin C enthalten, dazu kommen noch die Senfölglykoside, daher auch der scharfe Geschmack. Und die Durchsetzungskraft dieser Pflanze hat mich verblüfft, sie blühte noch im Dezember!
2. Die Schönste - Wilde Malve (Malva sylvestris)
Ihre Farbe hat mich verzaubert, intensiv lila-violett. Schon in der Antike als Gemüsepflanze bekannt. Die Blätter enthalten viel Eiweiß und Eisen. Blüten sind nicht nur zum Essen geeignet, auch zum Färben.
3. Die Unscheinbarste - Acker-Senf (Sinapis arvensis)
Nur ein paar zarten Pflänzchen konnten sich durchsetzen, dann waren sie aber schnell verschwunden. Senf ist als geschätztes Gewürz überall gut bekannt. Seine Wirkung ist antibakteriell, appetitanregend und verdauungsfördernd. 
4. Die Zarteste - Sandmohn (Papaver argemone)
Zuerst dachte ich, das ist Feldmohn (Papaver rhoeas). Nach weiteren Recherchen konnte ich doch richtig bestimmen. Die Mohnpflanzen waren sehr klein und zart, hatten keine Kraft sich zu entfalten. Es kam nicht mal zur Samenbildung. Das fand ich sehr schade.
5. Die Aromatischste - Rot- und Weißklee (Trifolium pratense)
Ich hatte beide Sorten, zum Glück. Wie sie dufteten, einfach der Wahnsinn! Besonders spät nachmittags verströmten die Kleeblümchen einen intensiven honigsüßen Duft. Auch der Geschmack von Blütenblättern ist total lecker. Junge Triebe und Blätter kann man gut essen, sie enthalten viel Eiweiß und erinnern geschmacklich an zarte Erbsen. 
6. Die Rätselhafteste - Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum)
Die Blüten in kleinen Dolden waren wunderschön weiß und bildeten eine außergewöhnliche herzähnliche Form. Die ganze Pflanze ist ein Phänomen für mich: Die roten Stängel, die Samenbildung, die Verwendung. Das war ein super Rätsel! Ein Pseudogetreide, das wirklich gut schmeckt und gesund ist.  
7. Die Auffälligste - Rainfarn-Phazelie (Phacelia tanacetifolia)
In allen Punkten ein spannendes Gewächs! Die Blumenform ist ungewöhnlich, die Farbe entfaltet sich von Blau zu Lila. Diese Pflanze ist der echte Bienenfreund, ein beliebter und unermüdlicher Nektarspender, hat die meisten Insekten angelockt. Dazu noch ein super Naturdünger für den Boden! 
8. Die Einfachste - Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris)
Unauffällige Pflanze, zählt zu den Heilkräutern. Man trifft sie oft, aber nur wenn man genau hinschaut. Ein altbekanntes Wildkraut, auch essbar. Die grünen Samentaschen sind ideal für Salate oder als eine leicht scharfe Beigabe zu dem Butterbrot. 
9. Die Seltenste - Kornblume (Centaurea cyanus)
Durch die Unkrautbekämpfung mit Herbiziden ist diese wunderschöne blaublühende Pflanze zu einer wahren Seltenheit geworden. Bei Insekten sehr beliebt! Auch essbar, wird gerne in der Volksmedizin eingesetzt. Die Blütenblätter werden als ein Zusatz in verschiedenen Teemischungen benutzt. 
Mein Fazit es hat sich gelohnt!
Ich bin froh, dass ich es gewagt habe, trotz Überlegung, ob das Hochbeet dafür geeignet ist. Allein die Natur zu beobachten, war für mich ein großer Gewinn, ganz zu schweigen von vielen Insekten, die diese Blumen gern angenommen haben.